Turku besuchen

Als ich zum ersten Mal nach Finnland geflogen bin, war es Ende Februar, verschneit, düster und minus 20 Grad. Noch nie hatte ich solche Temperaturen ‚live‘ erlebt und dachte, ich würde sterben – immerhin gefror mir schon mein eigener Atem auf dem bis an die Nase hochgezogenen Schal. Und dann? Dann sah ich Finnen, die mit offenen Jacken Fahrrad fuhren, und alle Eisdielen waren geöffnet, in denen die Einheimischen mit Vorliebe an sonderbaren dunklen Kugeln leckten: Salmiakeis. Zugegeben – mein allererster Eindruck war also nicht sehr viel anders als Kiras in ‚Bis der Tod dich findet‘. Als ich dem Busfahrer, der mich von Helsinkis Flughafen nach Turku bringen sollte, eine Frage stellte, bekam ich als Antwort ein Grunzen. Ich fühlte mich eingeschüchtert, verunsichert.

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Und wieso tat ich mir das überhaupt an, wieso flog ich mitten im Winter in den hohen Norden? ‚Schuld‘ war meine finnische Freundin Minna, mit der mich die seit Teenagerjahren längste und engste Freundschaft verbindet. Ab meinem vierzehnten Lebensjahr schickte ich ihr dicke, handgeschriebene Briefe, und es kamen ebenso viele Seiten in ebenso gelben Umschlägen zurück. Dank Minna begann ich in Finnland mit der Zeit zu verstehen, dass die grimmigen Gesichter und das Grunzen bei den Finnen einfach zum guten Ton gehören. Immerhin taut auch Eis nicht bei der ersten Berührung – es braucht viel Wärme und Zeit, um zu schmelzen, um seine Form zu verändern, und genauso habe ich auch die Finnen erlebt. Ich bin stolz, heute sagen zu dürfen, dass ich in eine finnische Familie aufgenommen worden bin und sogar die ersten Tests des wahren ‚Finnischseins‘ bestanden habe:

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Einmal, als ich im Sommer bei Minna war, fuhren wir zu dem winzigen, hölzernen Sommerhäuschen der Familie irgendwo am Meer, weit draußen in der Natur. Minnas Vater kam überraschend hinzu, er stellte sich an den Herd und kochte. Minna und ich wollten gerade in die Sauna nebenan hüpfen – denn natürlich gehört zu jedem finnischen Sommerhaus eine Sauna – und Minna zog sich ruckzuck vor dem Vater aus, während der weiter kochte und der Familienhund an ihren nackten Beinen zu schlecken begann. Ich stand sehr pikiert daneben. Was sollte ich nun tun? Mich auch vor dem Vater ausziehen? Minna gab mir wortlos zu verstehen, dass dem so sei. Zwischen den Saunasessions standen wir dann vor der Hütte, nackt, quatschten mit dem Vater, um danach – noch immer nackt – durch den Wald zu laufen und in die eiskalte Ostsee zu springen. Und das nicht etwa nur einmal, o nein! Nachdem ich diese für mich unglaubliche Prüfung absolviert hatte, bekam ich ein deftiges Abendessen von Minnas Vater serviert. Seit jenem Tag habe ich eine andere Beziehung zum Nacktsein – und zu Mistwetter, denn jeder Finne weiß: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Ausrüstung.

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Wer also denkt, mein Finnlandkrimi beginne etwas langsam und die Figuren seien etwas schwer greifbar, der sollte noch einmal überlegen, warum ich wohl genau so einen Einstieg gewählt habe …

Mehr Impressionen

Turku

Im Roman spielt immer wieder das in Finnland beliebte Eishockey eine Rolle, das sich diverse Romanfiguren gern ansehen. Hier ein unterhaltsames Video dazu:

Und mal ein anschauliches Beispiel zu finnischem Sisu (Erklärung im Roman) 😉

Im Krimi wird auch aus gegebenem Anlass die Band ‚Children of Bodom‘ erwähnt. Hier ein Lied der Band:

Rezepte

Hier ein paar Süßspeisen und Gerichte, die jeder Besucher genau wie Kira einmal in Finnland probiert haben sollte: